Kronprinz Ludwig von Bayern in Bremen. Ein Reisebericht von 1804
Der spätere König Ludwig I. schrieb in seinem Leben rund 75.000 Seiten Tagebuch. Am Beginn stand sein rund 150seitiges Reisetagebuch. Der damals 17jährige bayerische Kronprinz studierte an der Universität Göttingen und brach mit einer kleinen Reisegruppe von April 1804 zu einer einmonatige Reise in die Hansestädte auf. Ludwig war ein wacher und interessierter Beobachter. Seine Schilderung ermöglicht einen Blick auf die Infrastruktur im deutschen Nordwesten Anfang des 19. Jahrhunderts. In Bremen bewunderte er die Rathaushalle, beschrieb den Schütting, die Börse, eine Zuckerraffinerie, das Museum. Er registrierte überrascht viel »Bonhomie« in der Stadt, aß bei dem berühmten Arzt und Astronomen Heinrich Wilhelm Olbers zu Abend, besuchte Theateraufführungen und Konzerte. Von Bremen aus ging es weiter über Rotenburg an der Wümme und Harburg nach Hamburg. Die Reisegesellschaft besichtigte zwar Schlösser und Parks, doch auch Fabriken, Manufakturen, Armenanstalten oder Waisenhäuser und sprach mit Personen ganz verschiedener Herkunft, es war keine klassische Kavalierstour. Dieses Reisetagebuch ist eine bisher völlig ungenutzte Quelle, die einen Blick auf Hannover, Bremen und Hamburg in napoleonischer Zeit ermöglicht.