Dienstag | 17.01.2023 | 19:00 Uhr
Prof. Dr. Dieter Richter, Bremen

Schüsse in der Ewigen Stadt. Wolfgang Koeppens Nachkriegs- Roman „Der Tod in Rom“

HdW, Olbers-Saal
Zusammen mit der Goethe-Gesellschaft, der Deutsch-Italienischen Gesellschaft und dem Freundeskreis der Antike

Der Krieg war knapp zehn Jahre vorüber, die Deutschen strömten wieder nach Italien, da erschien 1954 ein verstörender Rom- Roman, der zu einem Klassiker der literarischen Moderne werden sollte: „Der Tod in Rom“ von Wolfgang Koeppen (1906-1996). Der Titel spielt halbironisch an Thomas Manns „Der Tod in Venedig“ (1912) an, aber die Seuche, die bei Koeppen in Rom wütet, ist nicht bakterieller, sondern politischer Natur. In der Stadt treffen zwei verschwägerte Familien zusammen, deren Angehörige auf unterschiedliche Weise die Traumata der Nazi-Zeit mit sich herumschleppen. Stilistisch markiert der Roman mit seinen hinter- und ineinander montierten Szenen ein Beispiel neuer, expressiver Großstadtliteratur.

Der Vortrag knüpft an einen Satz des Literaturkritikers Walter Jens an, der über „Der Tod in Rom“ geschrieben hat: „Eine literarische Kostbarkeit und nicht nur für Rom- Reisende heilsam“. Er nähert sich dem Roman aus den Entstehungsbedingungen seiner Zeit, die wir erst heute allmählich überblicken können. Und er stellt ihn in die Geschichte der Rom- Literatur und der Rom- Wahrnehmung, die beide immer wieder ihre Kraft daraus geschöpft haben, dass sie einen neuen, einen kritischen Blick auf das Ewige Rom, einen der großen Erinnerungsorte der Deutschen geworfen haben.

Abbildung zeigt Dieter Richter

Prof. Dr. Dieter Richter (geb.1938 in Hof) ist Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker und war bis 2004 Professor an der Universität Bremen. Ein Schwerpunkt seiner Forschungen ist die Geschichte der Begegnung der Deutschen mit Italien und ihre kulturelle und politische Bedeutung. Darum geht es auch in seinen Büchern wie Goethe in Neapel (2012), Fontane in Italien (2019) oder Con gusto. Die kulinarische Geschichte der Italiensehnsucht (2021).