Prof. Dr.Ansgar Beckermann

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VITA

Prof. Dr. Ansgar Beckermann, geboren 1945, studierte Philosophie, Mathematik und Soziologie in Hamburg und Frankfurt am Main. Er war Professor für Philosophie in Göttingen, Mannheim und von 1995 bis zu seiner Pensionierung 2010 an der Universität Bielefeld. Er war Mitglied zweier ZiF-Forschungsgruppen und gehörte zu den Koordinatoren des DFG-Schwerpunktprogramms Kognition und Gehirn. Seine Hauptarbeitsgebiete sind die Handlungstheorie, die Philosophie des Geistes, die Erkenntnistheorie, die Philosophie der Willensfreiheit sowie die Religionsphilosophie. Beckermann ist ein dezidierter Verfechter eines Brückenschlags zwischen Philosophie und Wissenschaften; innerhalb der Philosophie vertritt er einen Naturalismus, der, soweit möglich, mit unseren grundlegenden Alltagsüberzeugungen vereinbar ist.

Neben sechs Monographien -Gründe und Ursachen (1977), Descartes' metaphysischer Beweis für den Dualismus (1986), Einführung in die Logik (32011), Analytische Einführung in die Philosophie des Geistes (32008), Das Leib-Seele-Problem (2008) und Gehirn, Ich, Freiheit (2008) - hat er Sammelbände zur Handlungstheorie, zum Problem der Emergenz und zum Thema Klassiker der Philosophie heute sowie zahlreiche Aufsätzen veröffentlicht.

 

 

 

KURZFASSUNG

Neurowissenschaftler haben in letzter Zeit immer wieder bestritten, dass wir über einen freien Willen verfügen. Eines ihrer Hauptargumente lautet: Insbesondere die Libet-Experimente zeigen, dass unsere Entscheidungen gar nicht von uns selbst gefällt werden, sondern von unseren Gehirnen. Wer so argumentiert, setzt aber voraus, dass es zwei Dinge gibt, die in Konkurrenz zueinander stehen - Ich und mein Gehirn. Frei, so die Annahme der Neurowissenschaftler, können meine Handlungen nur sein, wenn sie eben nicht von meinem Gehirn, sondern von mir selbst hervorgerufen werden. Erstaunlicherweise beruht die neurowissenschaftliche Kritik an der Willensfreiheit also auf einem Cartesischen Verständnis des Menschen: Auf der einen Seite gibt es meinen Körper, zu dem auch mein Gehirn gehört, und auf der anderen Seite meine Seele, mein Ich. Tatsächlich ist dieses Cartesische Menschenbild aber unhaltbar. Es gibt keine Seele. Oder anders ausgedrückt: Es gibt kein Ich; es gibt nur mich - ein durch und durch biologisches Wesen. Wie kann ein solches Wesen aber in seinen Handlungen und Entscheidungen frei sein? Was erfordert Freiheit eigentlich? Die Antwort ist: Frei ist jemand, wenn er über zwei Fähigkeiten verfügt - die Fähigkeit, vor dem Handeln innezuhalten und zu überlegen, was er tun sollte, und die Fähigkeit, dem Ergebnis dieser Überlegung gemäß zu handeln. Über diese Fähigkeiten können wir aber auch verfügen, wenn unsere Entscheidungen eine neuronale Grundlage haben. Genauer: Über diese Fähigkeiten verfügen wir sogar erst dann, wenn unser Gehirn entsprechend ausgebildet ist. Es besteht also keine Konkurrenz zwischen mir und meinem Gehirn. Im Gegenteil: Frei bin ich genau dann, wenn ich mental gesund bin, und dies setzt ein intaktes Gehirn und insbesondere einen intakten präfrontalen Kortex voraus.