Prof. Dr. rer pol. habil. Danaiel Barben

Referent

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VITA

Prof. Dr. rer. pol. habil. Daniel Barben ist promovierter Politikwissenschaftler und habilitierter Soziologe. Er ist Inhaber der VDI Professur für Zukunftsforschung am Institut für Politische Wissenschaft der RWTH Aachen (seit April 2010). Zuvor war er u.a. Forschungsprofessor am Consortium for Science, Policy and Outcomes der Arizona State University (2006-2010), Research Fellow/Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der University of Wisconsin-Madison (2005-2006), der Universität Bielefeld (2004), der Technischen Universität Berlin (1999-2004) und am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (1989-1998) sowie als Habilitandenstipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Visiting Fellow an der Rutgers University und der Harvard University (2000-2002). Forschungsschwerpunkte sind die Governance von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft (empirisch v.a. bezogen auf Biotechnologie, Nanotechnologie, Bauen, Energie und Geoengineering); reflexives und antizipatorisches Wissen/Regieren; Globalisierung, Transnationalität und Demokratie; Nachhaltigkeit.

 

KURZFASSUNG

Dynamische Gesellschaftsentwicklung rückt immer wieder die Erfahrung ins öffentliche Bewusstsein, dass die Gegenwart keine Verlängerung der Vergangenheit darstellt und deshalb die Zukunft keine bloße Ausdehnung der Gegenwart sein wird. Und speziell in Zeiten der Krise schiebt sich der Horizont der Zukunft mitunter so nah an die Gegenwart heran, dass selbst kurzfristige Zeiträume unübersichtlich werden. Dies legt den Blick in besonderer Weise frei auf die Tatsache, dass die Zukunft in vielerlei Weise unsicher und unbestimmt ist. In Zeiten dynamischer oder krisenhafter Entwicklung wird allerdings mehr als in stabilen Zeiten die Frage akut, welche alternativen Optionen zur Verfügung stehen und welche Verkettungen von Folgen und Nebenfolgen verschiedene gegenwärtig mögliche Entscheidungen zukünftig wahrscheinlich nach sich ziehen werden.
Verunsicherungen zeitbezogener Gewissheiten stärken jedenfalls das Bedürfnis, zukünftige Entwicklungen vorwegzunehmen, um sich auf sie vorbereiten, sie gestalten und möglichst auch kontrollieren zu können. Der Stand der Zukunftsforschung - wie er sich im deutschen und auch im internationalen Kontext darstellt - erfordert, Neuland zu betreten. Denn während es in jüngerer Zeit neben dem gesellschaftlichen auch ein verstärktes akademisches Interesse an einer wissenschaftlichen Erforschung von Zukunftsfragen gibt, wurde dieses Interesse erst bruchstückhaft in universitäre Forschung und Lehre umgesetzt. Gleichzeitig wird Zukunftsforschung oft noch weitgehend negativ mit Trendforschung, Futurologie u.ä.m. identifiziert - die es in den vergangenen Jahrzehnten zwar vermocht haben, Erwartungen an eine prognosegestützte Politik- und Unternehmensberatung zu wecken, dies jedoch zumeist nur auf ungenügend wissenschaftlich fundierter sowie nicht hinreichend kritisch reflektierter Grundlage taten.
Der Vortrag geht von dem Problem aus, wie man Zukunft wissenschaftlich erforschen kann, die es als empirische Wirklichkeit noch gar nicht gibt. In der Folge wird der Gegenstandsbereich der Zukunftsforschung bestimmt als die verschiedenen Formen und Folgen des auf Zukunft bezogenen Erkennens und Handelns. Diskutiert wird, welchen Beitrag dazu ausgewählte disziplinäre Perspektiven leisten und was unter Zukunftsforschung als interdisziplinärer, problemorientierter Grundlagenforschung zu verstehen ist. Exemplarisch vertiefte Fragen betreffen etwa die Bedingungen der Möglichkeit und die Grenzen von Prognose sowie weitere Ansätze, Zukunft vorwegzunehmen und für deren Planung und Gestaltung zu nutzen. Die erörterten Beispiele beziehen sich vor allem auf Zusammenhänge zwischen globalen Herausforderungen und wissenschaftlich-technischen Entwicklungen, wie sie sich in verschiedenen Feldern der Forschungs-, Innovations- und Umweltpolitik geltend machen.